Den Auftakt bildeten die Workshops für unsere Fünftklässler. Statt eines trockenen Vortrags erwartete die 5c-ler und 5d-ler am 18.06.2026 sowie die 5a-ler und 5b-ler am 09.07.2026 jeweils während der Klassleiterstunde ein abwechslungsreicher Workshop mit anschaulichen Beispielen, interaktiven Gesprächsimpulsen und alltagsnahen Fallbeispielen. Gemeinsam gingen sie der Frage nach, was Mobbing eigentlich ist und welche unterschiedlichen Formen Ausgrenzung annehmen kann. Dabei standen Themen wie Lookismus, Rassismus, Ableismus und Cybermobbing im Mittelpunkt – Begriffe, die für viele zunächst neu waren, deren Bedeutung die Schüler jedoch schnell anhand konkreter Situationen nachvollziehen konnten. Beeindruckend war vor allem, mit welcher Offenheit sich die Fünftklässler auf die Inhalte einließen. Sie beteiligten sich engagiert an den Gesprächen, stellten interessierte Fragen und entwickelten gemeinsam kreative Lösungsansätze für schwierige Alltagssituationen. Schnell wurde deutlich: Auch unsere jüngsten Schüler besitzen bereits ein feines Gespür dafür, wann Menschen unfair behandelt oder ausgegrenzt werden – und wie wichtig es ist, nicht wegzusehen. Dass die Workshops so lebendig und abwechslungsreich verliefen, ist an der Souveränität festzumachen, mit der die Teammitglieder eigenständig durch die Klassenleiterstunden führten und es von Beginn an schafften, ihre jungen Zuhörer mitzunehmen. So wurde ganz nebenbei deutlich, dass Zivilcourage keine Frage des Alters ist, sondern der Haltung. Für einen süßen und zugleich symbolträchtigen Abschluss sorgte die inzwischen schon fast traditionelle Schokokuss-Aktion. Sie belohnte nicht nur die engagierte Mitarbeit der Fünftklässler, sondern setzte gleichzeitig ein Zeichen für die eigentliche Botschaft des Workshops: Freundlichkeit, Respekt und Wertschätzung machen den Schulalltag für alle ein Stück schöner.
Doch damit war die Arbeit des Courage-Teams noch lange nicht beendet.
In den vergangenen Monaten hatten die Teamer ihren bereits bewährten Workshop zum Thema „Homophobie“ vollständig überarbeitet. Ziel war es, die Inhalte noch stärker an die Lebenswelt Jugendlicher anzupassen und das Konzept so weiterzuentwickeln, dass es in einer 30-minütigen Klassenleiterstunde durchgeführt werden kann. Gleichzeitig entschied sich das Team bewusst dafür, den Workshop künftig in den 8. Klassen anzubieten – einer Altersstufe, in der Fragen nach Identität, Sprache und gegenseitigem Respekt im Alltag eine immer größere Rolle spielen. Die ersten Workshops fanden am 02.07.2026 in den Klassen 8a und 8c sowie am 23.07.2026 in den Klassen 8b und 8d statt. Im Mittelpunkt der Workshops stand zunächst die Frage, was Begriffe wie Homophobie, LGBTQIA+ oder Coming-out überhaupt bedeuten. Gemeinsam erarbeiteten die Schüler grundlegende Begriffe, räumten mit Vorurteilen auf und setzten sich mit der Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten auseinander. Dabei wurde schnell deutlich, dass hinter diesen Begriffen vor allem Menschen mit ganz persönlichen Geschichten, Gefühlen und Erfahrungen stehen. Anschließend richtete sich der Blick auf den Schulalltag. Wie fühlt es sich an, wenn sich jemand seiner Familie oder seinen Mitschülern als schwul, lesbisch, bisexuell, trans* oder queer anvertrauen möchte – oder sich genau aus Angst vor Ablehnung eben nicht traut? Welche Rolle spielen dabei Mitschüler? Und wie kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass sich alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität sicher und akzeptiert fühlen? Gemeinsam hinterfragten die Jugendlichen außerdem alltägliche Beleidigungen und scheinbar harmlose Redewendungen wie „Das ist voll schwul“ oder „Du Schwuchtel“. Schnell wurde deutlich, dass solche Aussagen häufig unüberlegt ausgesprochen werden, für andere Menschen jedoch verletzend sein und Ausgrenzung fördern können. Die Reaktionen der Achtklässler fielen dabei durchaus unterschiedlich aus. Während sich einige Klassen interessiert zeigten, Fragen stellten und Inhalte kritisch hinterfragten, begegneten andere dem Workshop eher zurückhaltend. Gerade bei diesem sensiblen Thema fiel es vielen Jugendlichen schwer, die typischen Beschimpfungen überhaupt laut auszusprechen, obwohl sie im Schulalltag durchaus bekannt sind. Umso bemerkenswerter war es, mit welcher Sensibilität die Mitglieder des Courage-Teams die Gespräche moderierten. Einen besonders nachhaltigen Abschluss bildete ein eigens auf die Wallburg-Realschule abgestimmtes Erklärvideo, das die wichtigsten Inhalte noch einmal verständlich zusammenfasste und den Blick auf den eigenen Schulalltag richtete. Die Botschaft war eindeutig: Jeder Einzelne kann durch seine Sprache und sein Verhalten dazu beitragen, dass sich andere angenommen oder ausgeschlossen fühlen.
Ob in den 5. oder in den 8. Klassen – alle Workshops verfolgten letztlich dasselbe Ziel: Unsere Schüler dafür zu sensibilisieren, hinzusehen statt wegzusehen, füreinander einzustehen und Menschen unabhängig von Herkunft, Aussehen, Beeinträchtigung, Religion oder sexueller Identität mit Respekt zu begegnen.
Corinna Hartwich-Beck