Wie viel Mitbestimmung steckt eigentlich in der SMV? Welche Rechte haben Klassen- und Schülersprecher? Und was macht der Landesschülerrat überhaupt? Antworten auf diese Fragen gab es beim diesjährigen SMV-Workshop am 23.07.2026– und zwar aus erster Hand.

Mit Jana Bäuerlein, einer ehemaligen Schülerin der Wallburg-Realschule und heute stellvertretenden Landesschülersprecherin der beruflichen Schulen, sowie Antonio Ferreira Barrozo, dem amtierenden Landesschülersprecher der Realschulen, waren gleich zwei echte Experten zu Gast. Nur wenige Stunden nach dem Workshop endete mit seiner Entlassfeier als Absolvent auch Antonios Amtszeit als Landesschülersprecher – ein passender Schlusspunkt nach einem Engagement, das er mit spürbarer Leidenschaft ausgeübt hat.

Dass Politik und Mitbestimmung alles andere als trockene Themen sein müssen, bewiesen die beiden Referenten vom ersten Moment an. Statt langer Vorträge hieß es zunächst: Bonbon schnappen! Die Farbe des Bonbonpapiers entschied über die Gruppenzugehörigkeit – und schon ging es in altersgemischten Teams ans erste Brainstorming. Warum ist SMV-Arbeit wichtig? Und was stellt ihr euch unter dem Landesschülerrat beziehungsweise den Landesschülersprechern vor? Die Ideen wurden auf Flipcharts gesammelt, vorgestellt und gemeinsam diskutiert.

Wie viele Realschüler vertritt der Landesschülerrat bayernweit eigentlich? Hier wurde innerhalb der verschiedenen Gruppen wild spekuliert, die Auflösung sorgte durchaus für erstaunte Gesichter und machte deutlich, welche Verantwortung hinter diesem Ehrenamt steckt.

Anschließend gewährten Jana und Antonio spannende Einblicke in die Arbeit des Landesschülerrats: Sie erklärten die gesetzlich verankerten Rechte der SMV – etwa das Anhörungsrecht – und verdeutlichten mithilfe eines Erklärvideos anschaulich, wie die verschiedenen Ebenen der Schülervertretung von der eigenen Schule bis auf Landesebene miteinander verknüpft sind. Persönliche Erlebnisse von Tagungen in Kochel am See, Rhetorikseminaren und anderen Veranstaltungen machten den Vortrag besonders authentisch. Dabei blieb auch Raum für lebhafte Diskussionen – unter anderem über die Wehrpflicht –, bei denen die Klassen- und Schülersprecher engagiert ihre eigenen Standpunkte einbrachten.

Besonders spannend erschienen auch Janas Einblicke in ihre Arbeit auf Bundesebene. Sie berichtete von Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern und zeigte eindrucksvoll, dass junge Menschen durchaus die Möglichkeit haben, Bildungspolitik aktiv mitzugestalten.

Doch nicht nur zuhören war gefragt: In einer weiteren Gruppenarbeitsphase sammelten die Schüler ihre Ideen auf Moderationskarten. Welche Themen sollte der Landesschülerrat künftig aufgreifen? Welche Anliegen gehören eher auf die Agenda der eigenen SMV? Schnell füllte sich die Pinnwand mit kreativen Vorschlägen. Wünsche wie höhere Zuschüsse für Klassenfahrten oder mehr lebensnahe Unterrichtsinhalte – etwa das Ausfüllen einer Steuererklärung – wird Jana mit in den Landesschülerrat nehmen. Andere Ideen, beispielsweise Unterricht im Freien, weniger Doppelstunden oder der Verzicht auf unangekündigte Tests, wurden den Aufgaben der schuleigenen SMV zugeordnet.

Auch unser Schulleiter Herr Greb ließ es sich nicht nehmen, dem Workshop einen Besuch abzustatten. Während einer kurzen Workshop-Pause nutzte er die Gelegenheit zum Austausch mit den beiden Referenten und brachte dabei mit einem Augenzwinkern auch die Sicht eines Schulleiters bzgl. des Budgets für Klassenfahrten in die Diskussion ein. Gleichzeitig zeigte er sich beeindruckt von der fachlichen Kompetenz, der Eloquenz und dem außergewöhnlichen Engagement der beiden Workshopleiter.

Nach 90 Minuten voller Diskussionen, neuer Perspektiven und lebendiger Gruppenarbeit war vor allem eines deutlich geworden: Demokratie beginnt nicht erst in Parlamenten – sie beginnt im Klassenzimmer, in der SMV und überall dort, wo junge Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Genau dazu ermutigten Jana und Antonio ihre jüngeren Mitstreiter immer wieder: die eigenen Rechte zu kennen, sich einzumischen, Ideen einzubringen und die Interessen der Schülerschaft selbstbewusst zu vertreten.

Passender hätte deshalb auch das gemeinsame Abschlussbild kaum sein können. Unter dem Motto „Wir haben eine Stimme!“ verewigten sich alle Teilnehmenden mit ihren Fingerabdrücken auf einer Leinwand – als sichtbares Zeichen dafür, dass jede Stimme zählt. Denn Schule lebt nicht nur vom Lernen, sondern auch vom Mitgestalten. Und genau dafür haben Jana und Antonio an diesem Vormittag mit Herzblut, Leidenschaft und jeder Menge Begeisterung ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt.

Corinna Hartwich-Beck