Ein Tag voller neuer Erfahrungen, herzlicher Wiedersehen und gelebter Inklusion

Schon die Anreise war ein Zeichen echter Wertschätzung: Gleich mit zwei Bussen holte die Werkstatt Sennfeld 13 Schülerinnen des Sozialen Arbeitskreises (SozAK) gemeinsam am 07.10.2026 mit ihren Lehrkräften Katrin Türk, Duc Nguyen und Corinna Hartwich-Beck in Eltmann ab – und übernahm am Ende des Arbeitstages auch die Rückfahrt. Ein riesiges Dankeschön für diese besondere Geste!

Mit einem ungewöhnlichen Impuls startete Bildungsbegleiter Stefan Hömer, der die Gruppe gemeinsam mit Werkstattleiter Günter Scheuring und Bildungsbegleiter Christian Zimmermann empfing: einem leeren Glas. Dieses sollte sich im Laufe des Tages mit neuen Erfahrungen, Begegnungen und Eindrücken füllen.

Zunächst gab Stefan Hömer einen anschaulichen Einblick in die vielfältige Arbeit der Einrichtung. Neben internen Bereichen wie der Verwaltung oder dem ruhigen Arbeitsbereich und den verschiedenen Arbeitsgruppen, die beispielsweise für Kühne – vielen bekannt durch die Hotdog-Verpackungen für IKEA – tätig sind, stand vor allem die berufliche Bildung im Mittelpunkt. Im Eingangsverfahren würden Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen dabei unterstützt, ihre Stärken und Interessen zu erkennen, grundlegende Arbeitsfähigkeiten zu erlernen und Qualifizierungseinheiten, beispielsweise im Bereich Brandschutz, zu durchlaufen. Auch interne wie externe Praktika in den Berufsfeldern Montage, Metall, Holz und Hauswirtschaft gehörten dazu. Ziel sei es, möglichst selbstständig zu werden – im Berufsleben ebenso wie bei der Gestaltung des eigenen Alltags.

Wie anspruchsvoll manche dieser Aufgaben sein können, erfuhren unsere SozAKler bei einem Selbstversuch: Bei einer Übung aus dem sogenannten Hamet-Testverfahren sollten sie mit einem Faserschreiber unter anderem Spiralen, Kleidungsumrisse und Gegenstände möglichst genau nachfahren, ohne den Stift abzusetzen. Dabei wurde deutlich, wie viel Konzentration, Geschick und Ausdauer gefragt sind – insbesondere dann, wenn zusätzlich Zeitdruck ins Spiel kommt. Diese Testungen helfen dabei, berufliche Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten realistisch einzuschätzen.

Dass Inklusion in Sennfeld nicht nur ein schönes Wort ist, sondern aktiv gelebt wird, zeigten auch die Kooperationen mit den Fränkischen Rohrwerken und unserer Schule. Besonders beeindruckend waren die Einblicke in die Interessenvertretungen der Beschäftigten: Berna stellte ihre Aufgabe als Frauenbeauftragte vor. Sie setze sich dabei unter anderem für den Schutz vor körperlicher, sexueller und psychischer Belästigung oder Gewalt ein und berichtete von einem Infostand zum „Orange Day“, den sie mit weiteren Frauen bei der Lichternacht organisiert hatte, sowie von entsprechenden Workshops, während sie selbst gestaltete Buttons von diesen Events an unsere Schülerinnen verteilte. Besnik wiederum erklärte als erster Vorsitzender die Arbeit des Werkstattrats, dem er bereits seit acht Jahren angehört. Ähnlich wie unsere SMV vertrete dieser die Interessen der Beschäftigten und verfüge über Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte – beispielsweise bei Festen, der Verpflegung oder der Gestaltung von Arbeitsplätzen.

Nach Imagefilm und Fragerunde, in der sich unsere SozAKler auch für die finanzielle Situation der Beschäftigten interessierten, ging es nach einer kurzen Frühstückspause sportlich weiter: Bei der täglichen 15-minütigen Bewegungseinheit, zu der uns Corina Holzinger vom Fachdienst begleitete, wurde gedehnt, gehüpft, balanciert und ordentlich Gas gegeben. Ganz gleich, ob Hampelmann oder Gleichgewichtsübung – alle machten mit und hatten sichtlich Spaß.

Anschließend verteilten sich unsere Schülerinnen auf die verschiedenen Arbeitsbereiche Küche, Schlosserei, Schreinerei, Montage, Montage MFC, Montage ZF und den ruhigen Bereich, wo sie bereits freudig erwartet wurden. Dank der inzwischen mehrjährigen Zusammenarbeit gab es zahlreiche vertraute Gesichter und umso herzlichere Wiedersehen. Gemeinsam wurde sortiert, verpackt, montiert und zusammengebaut – begleitet von vielen Gesprächen und herzlichem Lachen. Besonders schön: Niemand musste Berührungsängste überwinden oder lange das Eis brechen. Man begegnete sich einfach auf Augenhöhe, arbeitete miteinander und hatte Freude an der gemeinsamen Sache.

Auch kulinarisch wurden wir alle bestens versorgt: Zum Mittagessen standen Cordon Bleu beziehungsweise Schnitzel mit Kartoffelsalat oder Grießnockerl mit Tomaten-Zucchini-Gemüse auf dem Speiseplan, zum Nachtisch gab es Schokopudding. Frisch gestärkt ging es danach zurück in die Arbeitsgruppen. Einige Schülerinnen wechselten bewusst noch einmal den Bereich, um weitere Tätigkeiten kennenzulernen. Aufgrund ihrer offenen Art und ihrer tatkräftigen Unterstützung – besonders beim Zusammenbauen der großen Stückzahl an Kugelschreibern – wünschten sich manche Beschäftigte gleich eine Fortsetzung am nächsten Tag – ein Mitarbeiter schlug sogar fünf Wochen vor!

Bevor der Tag mit einer Feedbackrunde ausklang, wurde schließlich das eingangs erwähnte Glas wieder hervorgeholt. Gemeinsam mit Jungs und Mädels aus dem Berufsbildungsbereich stellten unsere SozAKler und auch wir begleitenden Lehrkräfte kleine Cookie-Backmischungen her: Zutaten wurden abgewogen, sorgfältig in Schichten eingefüllt und die Gläser anschließend mit einer eigens gestalteten Banderole versehen. Eine tolle Idee von Corina Holzinger, die allen nicht nur viel Freude bereitete, sondern auch ein schönes Erinnerungsstück an diesen besonderen Tag bescherte.

In der abschließenden Gesprächsrunde lobten unsere Schülerinnen vor allem die herzliche Aufnahme, die ungezwungenen Begegnungen und die vielen interessanten Gespräche. Stefan Hömer machte wiederum deutlich, wie wichtig solche Besuche auch für die Beschäftigten sind: Viele hätten sich schon im Vorfeld sehr auf das Wiedersehen gefreut. Schließlich bewege man sich im Alltag häufig eher auf den eigenen „Inseln“ – im Betrieb unter Gleichgesinnten oder im familiären Umfeld. Umso wertvoller seien Begegnungen, bei denen Menschen ganz selbstverständlich miteinander arbeiten, lachen und voneinander lernen können. Sein Anliegen sei es, dass die Beschäftigten zeigen können, was sie leisten.

Und genau das ist an diesem Tag gelungen: Die Schülerinnen konnten nicht nur neue Arbeitsfelder kennenlernen, sondern vor allem erleben, wie viel Können, Engagement und Gemeinschaftssinn in der Werkstatt Sennfeld stecken. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Inklusion dort beginnt, wo Menschen einander offen begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam etwas schaffen.

Das Glas vom Morgen war am Ende zwar mit einer Cookie-Backmischung gefüllt. Viel wichtiger aber war das, was sich im übertragenen Sinn darin gesammelt hatte: neue Eindrücke, gegenseitige Wertschätzung und viele schöne gemeinsame Momente.

Ein Tag, der einmal mehr gezeigt hat, wie bereichernd gelebte Partnerschaft sein kann – für beide Seiten!

Corinna Hartwich-Beck